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Europa: eine Idee ohne Inhalt. Fragen der Politik, Geschichte und Philosophie im Anschluss an Georg Simmel, Jan Patočka und Jacques Derrida

Jg. 1, Nr. 2, Dezember 2005
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Alain DENEAULT (Université de Montréal)

Nach dem deutschen Philosophen Georg Simmel wird Europa in dem Moment zu einer Kategorie des Denkens, wenn es im Fall einer Krise und in seinem Namen zur Imagination einer völlig anderen historischen Konstellation kommt und diese Vorstellung dann weiter kultiviert wird in der Hoffnung auf ihre Realisierung unter dermaleinst dafür vorteilhafteren Bedingungen. Dieser Gedanke, während des Ersten Weltkriegs und unter dessen Eindruck gefasst, zeigt verschiedene Parallelen mit Überlegungen des tschechischen Philosophen Jan Patočka und des französischen Philosophen Jacques Derrida. Ersterer erarbeitet ein Konzept von Europa als unerschöpflichem Fundus neuer Schöpfungen, die letztlich in der abendländischen Vorstellung der Seele gründen; letzterer sieht in den Versprechungen der Mondialisierungskritik die Grundlagen für ein völlig anderes Europa, das grundsätzlich im Kommen sei.