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Zum Verhältnis von nationaler und europäischer Dimension der Religion: das Beispiel der Kontroverse über die christlichen Wurzeln Europas

Jg. 4, Nr. 1, August 2008
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Virginie Riva, CRPS-Paris 1

Die Ausarbeitung der Europäischen Charta der Grundrechte und in der Folge der Europäischen Verfassung war geprägt von einer Kontroverse über die Frage nach einer Erwähnung der religiösen, insbesondere christlichen Wurzeln Europas. Diese Kontroverse wird hier mit Blick auf ihre französische und belgische Dimension beleuchtet. Eine solche vergleichende Vorgehensweise erlaubt uns, die entscheidenden Aspekte des Verhältnisses von nationaler und europäischer Behandlung der Religionsproblematik zu erfassen. Die europäische Erfahrung im Sinne eines politischen Projekts, das nicht zuletzt durch die Einführung der europäischen Staatsbürgerschaft 1992 auf den Weg gebracht wurde, führte die verschiedenen beteiligten Gesellschaften, und Frankreich vielleicht in besonderer Weise, dazu, ein eigenes nationales religionspolitisches Modell anzustreben, zumindest neue Weisen der Behandlung von Religion im öffentlichen Raum zu suchen. Auf der anderen Seite sind Religionen auch identitätsstiftend und werden entweder als Widerstandspotential verwendet, um unpopuläre nationale Orientierungen auf die europäische Ebene zu transportieren, oder als Quelle moralischer und politischer Delegitimation dieser neuen politischen Dimension. Der europäische politische Raum stiftet so ein neues Betätigungsfeld für religionsbasierte Bewegungen.