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Über ein unerhörtes politisches Ereignis

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Gelegentlich scheint es so, als habe die Geschichte einen gewissen Hang, sich selbst im Rhythmus von Jahrhundertereignissen zu feiern: genau zweihundert Jahre nach den unerhörten Begebenheiten, die Europa auf immer verändern sollten, finden die von der französischen Revolution ausgehenden Umwälzungen ihr epochales Echo im Fall der Berliner Mauer und der dadurch ausgelösten Neuordnung Europas.

In beiden Fällen handelte es sich um europäische Ereignisse in mehrfachem Sinn: sie fanden nicht nur im Herzen Europas statt, sondern setzten gleichzeitig der bekannten, tradierten Ordnung – dem ancien régime – ein Ende, um neue Formen der Koexistenz der Völker Europas auf den Weg zu bringen. Es gibt freilich Stimmen, die entscheidende Unterschiede sehen: im Gegensatz zur französischen Revolution, die ungeachtet ihres „universalen“ Anspruchs in gewisser Weise die Phase der definitiven Aufteilung des Globus unter den europäischen Großmächten einläutete (siehe EUROSTUDIA. Transatlantische Zeitschrift für Europaforschung, Jg. 3, Nr. 2: Europa – Afrika: Perspektiven auf ein „spirituell nicht zu verteidigendes Europa“), könnte in ihren Augen 1989 den Anfang vom Ende dieser europäischen Vorherrschaft markieren.

Die vorliegende Ausgabe von EUROSTUDIA ist solchen und ähnlichen Fragestellungen gewidmet, die im Lichte der Erfahrungen der vergangenen zwanzig Jahre erörtert werden. Zu diesem Zweck versammelt das Heft die Beiträge von drei Historikern (Reiner Marcowitz, Stephan Martens und Olivier Wieviorka) sowie eines Zeitzeugen und Protagonisten der seinerzeitigen sozialen und politischen Bewegungen (Jens Reich), die schließlich zum Zusammenbruch der Deutschen Demokratischen Republik führten. Ihre Texte wollen zwar auch die bewegenden Ereignisse von damals in Erinnerung rufen. Im Vordergrund steht jedoch die Analyse der durch sie ausgelösten Veränderungen sowie die Reflexion über die vor diesem Hintergrund für die Zukunft zu erwartenden Entwicklungen.

Ich danke Izabela Potapowicz für ihre wertvolle Unterstützung bei der Realisierung dieses Heftes.

Dietmar Köveker
Herausgeber