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Zusammengehörigkeit anders denken: die Europäische Union, Erziehung und das Entstehen einer euro-kommunitären Identität

Eurostudia, Jg.1, Nr. 1, Juni 2005
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Isabelle Petit, Université de Montréal-McGill University
Seit mehreren Jahrzehnten schon bemüht sich die Europäische Kommission um die Erarbeitung eines gemeinsamen kulturellen Rahmens und eines von den EU-Bürgern geteilten Wertesystems zwecks Herstellung einer euro-kommunitären Identität sowie eines Gefühls der Zugehörigkeit zur Union. Im Gegensatz zu den Gründern der Nationalstaaten, die diesen Rahmen auf das Prinzip kultureller Homogenität stützten, setzt die Kommission auf den Respekt, ja sogar eine gewisse Apologie der Differenz, sei sie national, regional oder das Ergebnis von Migrationsbewegungen. Diese Apologie der Differenz steht nicht notwendigerweise im Gegensatz zur Entstehung einer „immer engeren Union der Völker Europas“, und zwar aus verschiedenen Gründen. Hauptsächlich dekonstruiert die Kommission durch eine solche Vorgehensweise diejenige Vorstellung von Staatsangehörigkeit, die in zahlreichen Staaten vorherrscht und in der ausschließlichen Zugehörigkeit zu einer Gruppe besteht. Dadurch eröffnet sich für die Europäer die Möglichkeit, politische Teilhabe in einer mehrdimensionalen Perspektive zu denken: als Zugehörigkeit zu einem Mitgliedsstaat bei gleichzeitiger Mitgliedschaft in der „imaginierten Gemeinschaft“ Europas.