CCEAE/CCGES-Université de Montréal
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Rapport de séjour - Björn Brömmelsiek - 2008

Von : Björn Brömmelsiek

Tagungsbericht zur „Consulting Akademie Unternehmensethik 2008“

Die Tagung der Consulting Akademie Unternehmensethik 2008 zum Thema „Diversität und Gerechtigkeit“ war eine sehr inspirierende und lehrreiche Erfahrung ; dies auch insbesondere in Hinsicht auf meine Promotion, die sich schlussendlich auch in dem weiten Feld des Diversitätsdiskurses verorten lässt.

Zunächst einige Worte zum Tagungsprogramm. Das Tagungsprogramm hat sich für mich vor allem dadurch ausgezeichnet, dass die Vortragenden aus den unterschiedlichsten Fachbereichen und Berufszweigen stammten : Philosophieprofessoren, Leiter von Minderheiten Initiativen, Wirtschaftsprofessoren, Sozialarbeiter, Theologen, Soziologen… Denn schließlich rekrutierten sich auch die Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Wissenschaftsbereichen : Volkswirtschaft, Betriebswirtschaftslehre, Ingenieurswissenschaften, Kulturwissenschaften, Germanistik, Philosophie und viele weitere. Dementsprechend mussten Vortragende wie Teilnehmer ihren jeweiligen Fachjargon ablegen bzw. nachvollziehbar machen. Bei Beibehaltung eines derartig hohen Diskussionsniveaus ist dies keine leichthin erledigte Aufgabe, sondern stets aufs Neue eine Herausforderung.

So konnte ich erneut lernen, wie sich interdisziplinäres Arbeiten gestallten muss, damit es gelingt. Dies wird mir für meine Promotionsarbeit an der Université de Montréal sehr hilfreich sein, da ich eine interdisziplinäre Arbeit schreibe, in der sich soziologisch-sozialwissenschaftliche, germanistische, soziolinguistische und kulturtheoretische Analysemethoden und Themenbereiche vereinen. Da diese Arbeit also für alle diese Fachbereiche von Interesse sein könnte, bedarf es einer Sprache, die es versteht geschickt zwischen den jeweiligen Fachsprachen zu vermitteln, ohne sich jedoch dabei in der unpräzisen Banalität der Alltagssprache zu verlieren. Das Tagungsthema „Diversität und Gerechtigkeit“ wurde, vereinfacht dargestellt, zum einen von wissenschaftlich theoretischer Seite, zum anderen aus der Perspektive der Praxis betrachtet. Auf diese Art und Weise wurde es den anderen Teilnehmern und mir ermöglicht, den Zusammenhang zwischen wissenschaftlicher Theorie und Alltagspraxis bzw. zwischen wissenschaftlichen Problemstellungen und lebenspraktisch-unternehmerischen Problemstellungen nachzuvollziehen.

In meiner Promotion beschäftige ich mich mit dem Einfluss der Sprache auf die Konstruktionen von Identität und Alterität an den Sprachgrenzen in den beiden (offiziös) zweisprachigen Städten Montreal und in Freiburg (Schweiz). Eine meiner Leitfragen wird dabei folgendermaßen lauten : Was ist die tatsächliche Natur der sprachlichen und kulturellen Grenze, was sind die Elemente, die – in dieser gleichzeitig vergleichbaren und doch sehr partikularen Situation in den beiden Städten – es den Bürgern erlauben, das Eigene und das Andere zu unterscheiden ? Gerade bei dieser Frage werde ich mich mit dem Thema Diversität auseinandersetzen müssen. Denn zum einen geht es hier um die grundlegende Frage, ob Kulturen in ihrer Diversität überleben können, wenn diese sich in vielen Bereichen zunehmend auf eine Art Konsens von Normen, Werten und Weisen der Lebensführung einigen. Zum anderen geht es darum zu überlegen, was noch als Differenzierungskriterium gelten kann, wenn man das Eigene vom Anderen unterscheiden möchte.

Derzeit arbeite ich daran einen Essay fertig zu stellen, der Fragen behandelt, die sich mir während der CA 2008 gestellt haben : Wie verhalten sich international operierende Unternehmen im Ausland, wenn die (kulturell begründeten) Normen und Werte des Unternehmens zwar im Heimatland, nicht aber im betreffenden Ausland Gültigkeit beanspruchen können ? Kommt es im Falle von Konflikten zum gleichberechtigten Dialog oder zum hegemonialen Monolog ? Was können die theoretisch-wissenschaftlichen Grundlagen sein, die eine ethisch legitimierte Handlungsweise für Unternehmen im Ausland anleiten könnten ? Sollte dieser Essay zu einer Publikation führen, werde ich das Centre selbstverständlich benachrichtigen.