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Neu-Kartierung Europas: Kollektives Gedächtnis und Erinnerung in der erweiterten Europäischen Union

Eurostudia, Jg.1, Nr. 1, Juni 2005
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Oliver Schmidtke, University of Victoria
Dieser Artikel wendet sich dem Status und den Herausforderungen einer sich formierenden Europäischen Identität zu. Es wird die Hypothese entwickelt, dass eine kollektive Identität auf der europäischen Ebene eine unverzichtbare Grundlage für die gegenwärtige Stufe des europäischen Vereinigungsprozesses bildet. Insbesondere mit Blick auf die Reproduktionslogik demokratischer Verfahren und die gesellschaftliche (Um-) Verteilung materieller Ressourcen auf europäischer Ebene kann kollektive Identität als unverzichtbare Voraussetzung für einen Begriff von politischer Gemeinschaft und Legitimität interpretiert werden. Die Herausforderungen für eine europäische Identität werden mit Blick auf zwei, durch die Osterweiterung der EU besonders relevante Aspekte diskutiert: die Unmöglichkeit, schlicht nationale, ethnisch kodierte Muster kollektiver Identität auf europäischer Ebene zu reproduzieren und die historisch tief eingeschriebene politisch-kulturelle Kluft zwischen West- und Osteuropa. Mit Blick auf diese Herausforderungen eröffnet sich die Chance auf einen neuen, radikal politischen Begriff von politischer Gemeinschaft und der ihm zugrundeliegenden kollektiven Identität.