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Nach der Souveränität: was bleibt von den subjektiven Rechten?

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Catherine Colliot-Thélène (Université Rennes 1)

Der Begriff subjektiver Rechte ist ein moderner Begriff. Seine Konsistenz ist von einer Reihe von Autoren bezweifelt worden (Michel Villey, Vincent Descombes). Die Idee, dass das Individuum in seiner Rolle als Mensch sich auf Rechte berufen könne, ist ein Aspekt des modernen Individualismus. Unter Aufnahme (und Umkehrung) einer Hypothese Michel Foucaults bezüglich des Zusammenhangs von Individualisierung und Macht sowie unter Heranziehung von verschiedenen Analysen aus Max Webers Rechtssoziologie wird in vorliegendem Artikel vorgeschlagen, die Entstehung des Rechtsindividuums im Zusammenhang mit der Entstehung des souveränen modernen Staats zu sehen, also vor dem Hintergrund der Abschaffung ständestaatlicher Privilegien. Die Erosion staatlicher Souveränität, insbesondere unter dem Eindruck der im internationalen Maßstab stattfindenden Entwicklung eines Rechtspluralismus, der jeder hierarchischen Reorganisation zu widerstehen scheint, fordert zu einer Beschäftigung mit der Zukunft dieser Gestalt des Rechtssubjekts im Rahmen der derzeit stattfindenden politischen Entwicklung auf. Die Zukunft der Demokratie steht dabei auf dem Spiel, und zwar in dem Maße, in dem innerhalb ihrer modernen Ausprägung die Individuen sich müssen darauf verlassen können, dass Rechte unabhängig besonderer sozialer Gruppenzugehörigkeiten anerkannt und garantiert werden.