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Globale Geschichte: Worin besteht der Beitrag von Historikern?

Jg. 4, Nr. 2, Dezember 2008
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Hartmut Kaelble, Humboldt-Universität

Wenn im Laufe der vergangenen Jahre die globale Geschichte Gegenstand ausführlicher Debatten wurde, so ist das weniger einer neuerlichen imperialen Situation oder einem Zivilisationsverfall geschuldet als der Entwicklung von Kommunikationssystemen, Austauschbeziehungen und wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen den Kontinenten. Die maßgeblichen Studien zur globalen Geschichte stammen nach wie vor aus den USA, Großbritannien und Frankreich. Das ist auf der einen Seite auf die frühere oder aktuelle Hegemonie dieser Länder zurückzuführen, auf der anderen Seite auf den Umstand, dass die intellektuellen Ressourcen, die für derartig weitreichende Untersuchungen erforderlich sind, nur in den genannten Ländern verfügbar sind. Es gibt im wesentlichen drei Ansätze für eine globale Geschichte, jeder mit diversen Variationen: zunächst den Vergleich zwischen Nationen oder Kulturen verschiedener Kontinente, wobei oftmals das Aufspüren und Erklären beobachteter Unterschiede im Vordergrund steht; zweitens die Untersuchung interkontinentaler Transfers und Austauschbeziehungen; drittens die Untersuchung der Veränderungen, der Umwälzungen, der Institutionen, Bewegungen, Sprachen und des Wandels von Werten und Normen im globalen Maßstab. Es könnte gegebenenfalls noch ein vierter Ansatz hinzugefügt werden, deutlich bescheidener und begrenzter, der darin besteht, die Geschichte eines Landes oder einer Kultur in globaler Perspektive zu schreiben.