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Europa – ein Freund Afrikas?

Jg. 3, Nr. 2, Dezember 2007
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Die neue Ausgabe von EUROSTUDIA. Transatlantische Zeitschrift für Europaforschung fährt mit der Analyse ausgewählter Aspekte der Europäisierung im globalen Kontext fort, die bereits im vorangegangenen Heft begonnen wurde (siehe das Editorial von EUROSTUDIA, Nr. 1/2007). Zielsetzung ist nach wie vor die Untersuchung europäischer Politik auf den verschiedenen Ebenen und in den verschiedenen Institutionen der bi- und multilateralen internationalen Beziehungen.

Eine der dieses Unterfangen motivierenden Leitfragen lautet, ob es denn zutrifft, dass Europa nach den in seinem Namen im Zeitalter der Entdeckungen und im Kolonialismus begangenen Verbrechen zu einer zivilen Politikform gefunden habe, in deren Zentrum die Unterstützung der vormaligen Opfer seines Expansionsdrangs auf ihrem Weg „nachholender Entwicklung“ steht. Oder fährt Europa eher – mehr oder minder ungerührt – fort, sehr offensiv und zielgerichtet (mal mit den USA, mal in Konkurrenz mit ihnen) die eigenen Interessen auf dem internationalen Parkett durchzusetzen, bloß in raffinierterer Form und unter Verwendung einer verführerischeren Sprache?

Das vorliegende Heft behandelt diesen Aspekt der Europäisierung im speziellen Hinblick auf die gegenwärtigen Beziehungen zwischen Afrika und Europa. Die hier versammelten fünf Aufsätze sind ebenso viele Fallstudien zu dieser Problematik und reichen von einer Analyse des französischen "Krisenmanagements" in Schwarzafrika und einer Studie zu den Nachwirkungen der Kolonialerfahrung in nachkolonialer Politik und Kultur bis hin zu einer Reflexion über die beunruhigende anhaltende Aktualität von Aimé Césaires Diskurs über den Kolonialismus.

Selbstverständlich wird damit nur ein sehr begrenzter Ausschnitt dieses weiten Problemfeldes erfasst. In seiner Gänze führt das Heft dessen ungeachtet vor Augen, dass Aimé Césaires Verdikt, Europa sei “spirituell nicht zu verteidigen“, auf irritierende Weise aktuell geblieben ist.

Dietmar Köveker
Herausgeber