revue Eurostudia-Le Centre canadien d'�tudes allemandes et europ�ennes
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Editorial

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Diese Ausgabe von Eurostudia präsentiert eine Auswahl von Beiträgen der internationalen Konferenz „Le retour de l’histoire? Répercussions européennes et internationales de la réunification allemande“, die am Goethe-Institut in Montréal vom 29. September bis zum 01. Oktober 2010 stattfand. Anlässlich der Zwanzigjahrfeier der Deutschen Wiedervereinigung am 03. Oktober 1990 wurde die Konferenz vom Centre canadien d’études allemandes et européennes, dem Centre d’excellence sur l’Union européenne und dem Centre d’études et de recherches internationales de l’Université de Montréal in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Generalkonsulat in Montréal organisiert.

Obwohl der Fall der Berliner Mauer am 09. November 1989 im kollektiven Gedächtnis als das folgenschwerere Ereignis haften geblieben ist, so hat die Deutsche Wiedervereinigung doch auch ein Jahr ebenso bedeutsamer und gar noch weitaus entscheidenderer Ereignisse abgeschlossen, die ein bemerkenswert friedliches Ende des Kalten Krieges bedeuteten. Bestandteile dieser Entwicklung waren die Zwei-plus-Vier-Gespräche, die nicht nur die Wiederherstellung Deuscher Souveränität ermöglichten, sondern auch eine geopolitische Neuausrichtung Europas und der Welt mit sich brachten. Häufig wird vergessen, dass diese Gespräche im Februar 1990 in Ottawa, zunächst noch als Geheimverhandlungen, begannen. Die ersten beiden Beiträge dieses Bandes durch Joe Clark, Außenminister Kanadas von 1984 bis 1991 und durch die Historikerin Ursula Lehmkuhl haben diese geheimen und bis heute nicht gänzlich geklärten diplomatischen Begegnungen zum Gegenstand.

Deutschlands und Europas geopolitische Wiedervereinigung bedeutete allerdings keinesfalls ein Ende kultureller Unterschiede. Der Politikwissenschaftler Pierre-Frédéric Weber untersucht in seinem Beitrag, wie die Erinnerungen an totalitäres Leiden sowohl im „alten“ wie auch im „neuen“ Europa stets noch ausgeprägt bleiben. In ähnlicher Weise analysieren Peperkamp et al. die subtilen Beziehungen zwischen geschichtlichem Gedenken und lokaler Identität unter Ostdeutschen im Zusammenhang mit den ihnen gestellten Herausforderungen und den von ihnen verlangten Anpassungen. Die ergreifenden persönlichen Erinnerungen des Journalisten Robert Ide zeugen von den gemischten Gefühlen, die die Deutsche Wiedervereinigung mit sich brachte, wohingegen die allegorische Betrachtung des in Ostdeutschland geborenen Fußball (anti-)Helden Michael Ballacks durch den Philosophen Wolfram Eilberger die weiterhin bestehenden kulturellen Spannungen zwischen Ost und West aufzeigen. Abschließend führt der Beitag des Wirtschaftswissenschaftlers Jean-François Jamet’s (in englischer und in deutscher Fassung) die Fragestellung zurück auf die Europäische Ebene und nimmt Bezug auf die gegenwärtige Krise des Euros, indem er das Spannungsfeld zwischen der Wirtschaftsstärke des wiedervereinigten Deutschlands und seinem Einsatz für ein vereinigtes Europa hinterfragt.

Die gesamten Beiträge der Konferenz sind als Videoaufzeichnung unter folgender Adresse im Internet abrufbar: www.germanstudies.ca/berlinwall

Laurence McFalls
Herausgeber