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E pluribus unum? Die europäische Integration und ihre Zukunft in historischer Perspektive

Jg. 1, Nr. 2, Dezember 2005
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Matthias SCHULZ (Vanderbilt University/Nashville)

Seit dem Scheitern der Referenden zur Europäischen Verfassung in Frankreich und den Niederlanden sieht sich Europa einem doppelten Dilemma gegenüber: zu der Kontroverse zwischen Föderalisten und Konföderalisten gesellt sich der erneuerte ideologische Konflikt zwischen Anhängern von Sozialismus und Marktwirtschaft. Vor dem Hintergrund eines Blicks auf die historischen Kräfte, die das Projekt der europäischen Integration antreiben - die Europaidee, ökonomische Rationalität und die Suche nach einer Rolle Europas im globalen Kräftespiel - und auf die soziale und kulturelle Konvergenz, die parallel zu diesem Prozess stattfindet, wird im vorliegenden Aufsatz argumentiert, dass die Grundlagen der europäischen Integration nach wie vor stabil sind und dass sie weitergehen wird, sofern es zu keinem Rückfall der europäischen Politik ins Irrationale kommt. Gleichwohl ist die aktuelle Tendenz, den Sozialstaat mit der europäischen Integration für unvereinbar zu halten, ausgesprochen schädlich für letztere. Im Gegensatz zur verbreiteten Auffassung wird hier die These vertreten, dass europäische Integration und Sozialstaatsgedanke einander wechselseitig bedingen.