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Die Europäische Union und die Frage der Mehrsprachigkeit

Eurostudia, Jg.1, Nr. 1, Juni 2005
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Hans-Jürgen Lüsebrink, Universität Saarbrücken
Im Artikel 128 des Vertrages von Maastricht wird der Wille zur Mehrsprachigkeit innerhalb der Europäischen Union ausgedrückt. Eine statistische Auswertung der verschiedenen Sprachprogramme, die zu ihrer Realisierung beitragen sollen, verdeutlicht jedoch den Abstand zwischen dieser politischen Willenserklärung und der zunehmenden Favorisierung eines Einsprachigkeitsmodells. Dies gilt sowohl auf der Ebene der nationalstaatlichen Kulturpolitiken als auch auf derjenigen der europäischen Institutionen. Entsprechend einer Unterscheidung Harald Weinrichs privilegiert dieses „ökonomische“ Modell Effektivität gegenüber Diversität, zeitigt jedoch problematische Folgen, sobald es - über die administrative Dimension von Forschung und Übersetzungsarbeit - Anwendung findet in den Humanwissenschaften. Diese können schwerlich von hermeneutischen Aspekten getrennt werden, die ihnen, wenn sie schon nicht zur Gegenstandsbestimmung dienen, so doch zumindest eine eigenständige diskursive Form verleihen. Gegenüber diesem „ökonomischen“ Sprachmodell ist folglich ein „ökologisches“ zu favorisieren, um den Platz der Universität innerhalb der mehrsprachigen Europäischen Union bestimmen zu können.