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Deutschland zwanzig Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer

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Reiner Marcowitz, Université de Metz

Mit zwanzig Jahren Entfernung von den Tatsachen erscheinen uns der Fall der Berliner Mauer und die Wiedervereinigung Deutschlands als vollkommen „historisierte“ Ereignisse, will sagen: sie gehören fortan der Vergangenheit an. Dieser Eindruck verdankt sich dem Umstand, dass während dieser zwanzig Jahre der Zugang zu den Archiven der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) erheblich erleichtert wurde, was die Geschichte dieses Landes zu einem fruchtbaren Forschungsbereich werden ließ. Die Historiker haben sich insbesondere mit dem Funktionieren des politischen und sozialen Systems befasst, die Arbeit der „Stasi“ eingeschlossen, mit den Beziehungen zum Ausland sowie den Umständen, die zum Fall der Mauer und der Wiedervereinigung von 1989/90 führten. Abgesehen von gewissen Details ist deshalb nicht zu erwarten, dass es hinsichtlich der deutschen Vereinigung noch zu großen Enthüllungen kommen wird. Es gilt gleichwohl noch das Problem der „Legitimität“ der DDR genauer zu untersuchen, sowohl im Inneren als auch in den Außenbeziehungen des Landes, denn es handelt sich hierbei um einen der Aspekte, die den vollständigen und derart schnellen Zusammenbruch der SED erklären können wie auch das schonungslose Ende der DDR. Als weiteres Forschungsfeld drängt sich dasjenige der Auswirkungen der Vereinigung auf. Die ehemalige Bundesrepublik Deutschland (BRD) hat nicht nur dank Wiedervereinigung und Fall der Mauer an Größe gewonnen und ihre Strukturen und Traditionen haben sich gewandelt. Sie hat sich auch auf politischem Niveau verändert: sie hat sich „europäisiert“ und „normalisiert“, ohne freilich die Last ihrer besonderen Geschichte zu vergessen.